Rotenhan
Wappen und Geschichte
Die Familie Rotenhan ist ein bekanntes und einflussreiches Geschlecht aus dem fränkischen Uradel. Nach der Zerstörung der Burg Rotenhan 1323 wurde Schloss Eyrichshof im Landkreis Haßberge der Stammsitz der Familie.
Wappen
Silberner Schild mit einem schräg sich schlängelnden rothen Fluß; in der entgegengesetzten Ecke ein rother Stern. Helmzier: ein Hahn von derselben Farbe. Decken roth und silbern. [45, S. 6]
Heideloff gibt hier eine schöne heraldische Beschreibung ohne unnötige Festlegungen wie etwa die Anzahl der Zacken des Sterns oder die Richtung des Flusses. Während der Begriff schlängelnder Fluß den historischen Bildinhalt beschreibt, wird die Figur heute in der Blasonierung meist als Wellenbalken bezeichnet.
Detailaufnahme auf ars-heraldica.de
Detailaufnahme auf ritterkapelle.de
Heideloff führt weiter aus:
Auf einem Siegel von 1299 ist das Feld um den Fluß mit 8 Sternen besäet; in der ältesten Darstellung des Wappens fehlt der Fluß gänzlich. Der Hahn ist offenbar auch erst als Helmschmuck aufgesetzt, nachdem man vergessen, daß der Familienname, ursprünglich ohne Zweifel Rottenhain (vom Ausroden des Waldes), mit der Bezeichnung des Hahnes keine Gemeinschaft habe. [45, S. 6]
Hans Karlinger zufolge deutet eine alte Familienüberlieferung den Wellenbalken des Rotenhan-Wappens als Baunachfluss und den darüber stehenden Stern als die Stammburg Rotenhan. [52, S. 56]
Laut Heideloff gehören die 25 Familien, deren Wappen die Chorschlusssteine im Innern der Ritterkapelle zieren, zum engeren Kreis der Stifterfamilien.
Baunach, Rentweinsdorf und Gerach
Die Geschichte dieser drei Kommunen ist eng mit der Familie Rotenhan verknüpft, was sich auch in den zugehörigen Wappen zeigt:
Baunach [53]
Der Bamberger Bischof Anton von Rotenhan verlieh Baunach im 15. Jahrhundert Siegel und Bannerbrief:
Im Schild "sullen steen drey wasserfluss. Und durch dieselben drey wasserfluss soll ein gantzer hecht mit dem haupt von der einen obern ecke des schilts.... geen".
Anton von Rotenhan bezeichnet also hier die drei Wellenpfähle ausdrücklich als drei Flüsse (gemeint sind Baunach, Lauter und Itz), offensichtlich in Anlehnung an das eigene Rotenhan-Wappen. Die Farbgebung – in Rot drei silberne Flüsse – erfolgte später, wenn auch invers, gemäß dem Rotenhan-Wappen. Der goldene Hecht weist auf den Fischreichtum der Flüsse hin. Eine heutige Blasonierung lautet:
In Rot drei silberne Wellenpfähle, überdeckt mit einem schräg liegenden goldenen Fisch.
Gerach [54]
Die Rotenhan übten seit der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts in Gerach Herrschaftsrechte aus. Gerach war seit dem 14. Jahrhundert ein Lehen des Hochstifts Bamberg. Das seit 1978 existierende Wappen erinnert an diese Lehnsherrschaft:
Gespalten von Schwarz und Silber; vorne ein linksgewendeter goldener Hahn, hinten über einem schräglinken roten Wellenbalken ein fünfstrahliger roter Stern.
Der goldene Hahn auf schwarzem Schild auf der linken Seite des Wappens erinnert an die Farbgebung des Wappens des Hochstifts Bamberg.
Rentweinsdorf [55]
1497 erhielten die Rotenhan vom Würzburger Bischof Lorenz von Bibra das Dorf Rentweinsdorf und dessen Gerichte zum Lehen. Das seit 1981 existierende Wappen von Rentweinsdorf enthält eine Waage und das Wappen der Rotenhan:
In Rot oben eine silberne Waage, unten ein silberner Schild, darin ein roter Schrägwellenbalken, beseitet oben von einem fünfstrahligen roten Stern.
Zum Vergrößern klicken
Zum Vergrößern klicken
Geschichte
Anfänge [45, S. 5f.] [52, S. 58]
Die Familie Rotenhan besaß seit frühesten Zeiten ausgedehnten Grund in den Tälern um den Fluss Baunach. Ihr Stammsitz, die Felsenburg Rotenhan, wurde bereits 1324 zerstört. Heideloff erwähnt mehrere Rotenhan, die ab 996 als Teilnehmer von Turnieren genannt wurden. Dies wurde später von Karlinger angezweifelt.
Laut Heideloff war Mitte des 13. Jahrhunderts Ludwig von Rotenhan, Rentweinsdorf, Merzbach usw. Stammvater des heutigen Geschlechts. Seine Söhne, Wolfram und Ludwig II., stifteten die Linien Rentweinsdorf und Eyrichshofen bzw. Merzbach und Schenkenau.
Burgruine Rotenhan [56] [57]
Die Burgruine befindet sich nördlich von Ebern im Landkreis Haßberge. Wolfram von Rotenhan wurde 1229 urkundlich erwähnt, somit musste die Burg als namensgebender Stammsitz schon damals vorhanden gewesen sein. Der spitzbogige gotische Torbogen ist wohl erst Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden. Das lässt auf eine Erweiterung des ursprünglichen Baus schließen.
Zum Vergrößern klicken
Zum Vergrößern klicken
Wolfram III. von Rotenhan, ein Nachfahre Wolframs und bis 1322 Schenk am Hofe des Bamberger Bischofs, übergab die Burg 1319 an den Würzburger Bischof Wolfram Wolfskehl von Grumbach und erhielt sie im Gegenzug als erbliches Lehen. 1323 wurde die Burg von Bischof Wolfskehl etwa ein Jahr belagert. Laut dem Humanisten Sebastian von Rotenhan soll Wolfram III. einen Falschmünzer auf der Burg beherbergt und außerdem Untertanen des Bischofs getötet sowie deren Vieh gestohlen haben.
Im Jahre 1324 musste Wolfram III. von Rothenhan erkrankt aufgeben und eine Friedensvertrag unterzeichnen. Die Burg wurde zerstört und durfte nie wieder aufgebaut werden, die Lehnsgebiete wurden eingezogen. Wolfram III. von Rotenhan zog sich auf seinen Eigenbesitz im Baunachstal zurück. Später erhielt er mit Hilfe des Königs Ludwig der Bayer, der später Kaiser wurde, die alten Gebiete erneut als erbliche Lehen zurück. Seit dieser Zeit ist Schloss Eyrichshof der neue Stammsitz der Familie.
Spätere Entwicklung und Standeserhebungen [58]
Neben Schloss Eyrichshof entstand in Rentweinsdorf eine Wasserburg. Der Humanist Ritter Sebastian von Rotenhan, ein Freund Ulrich von Huttens, lebte dort um 1500. Die Burg wurde während des Bauernkrieges beschädigt und während des Dreißigjährigen Krieges verwüstet. Auf ihren Grundmauern wurde das Schloss Rentweinsdorf errichtet, das sich bis heute in Familienbesitz befindet.
Zum Vergrößern klicken
Zum Vergrößern klicken
Die Familie Rotenhan wurde 1771 in den Freiherrenstand erhoben. Johann Alexander von Rottenhan aus dem – inzwischen erloschenen – katholischen Zweig der Familie wurde 1774 von Kaiser Joseph II. die Reichsgrafenwürde verliehen.
Ein bekanntes Mitglied der Familie ist Sebastian Freiherr von Rotenhan († 2022) aus Rentweinsdorf, der lange Jahre die CSU in Kreis- und Landtag vertrat, bevor er im Jahre 2009 aus der Partei austrat. Heute befinden sich neben Schloss Eyrichshof und Schloss Rentweinsdorf die Schlösser Neuenhof und Fischbach sowie die Burg → Lichtenstein und das Gut Reuthen in Familienbesitz. Neben den Gebäuden besitzt die Familie nach wie vor große Waldgüter. Schloss Eyrichshof wird vom heutigen Schlossbesitzer Hermann Freiherr von Rotenhan für Großveranstaltungen genutzt.
