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Der Vorgängerbau

Vor 1200 erbaut, im 15. Jahrhundert ersetzt

Frühe Ritterturniere

Verschiedenen Quellen zufolge sollen an der Stelle der heutigen Ritterkapelle Turniere stattgefunden haben. Ludwig Braunfels schreibt 1847:

Hassfurt besitzt ein glänzendes Denkmal deutscher Kunst in seiner Ritterkapelle. Auf dem Platze, den sie nun schmückt, sollen einst häufige Turnire gehalten worden sein. [11, S. 152]

Urkundliche Erwähnung einer bestehenden Haßfurter Pfarrei im 13. Jh.

Nach Nikolaus Reininger liegen mehrere schriftliche Urkunden aus dem 13. Jh. mit dem Nachweis einer bestehenden Pfarrei in Haßfurt vor.

Nach diesen Urkunden bestand zu Haßfurt schon im Laufe des 13. Jahrhunderts eine ausgebildete ansehnliche mit einem Dignitär der Stiftskirche zum Neuenmünster in Würzburg besetzte Plebanie, deren Alter in das frühere Jahrhundert, ja noch weiter hinauf, reichen dürfte. [7, S. 2]

Reininger folgert also aus dem Umfang der Plebanie auf eine seit dem 12. Jh. oder früher éxistierende Plebanie und somit auch einer seit damals existierenden Pfarrkirche. An anderer Stelle schreibt er, es gäbe keinerlei schriftliche Zeugnisse über den Baubeginn dieser Pfarrkirche, alle Aussagen darüber blieben reine Vermutungen. [7]

Da der Chor der Ritterkapelle nach übereinstimmender Meinung frühstens ab 1390 erbaut wurde, das Langhaus gar erst 1431-1438, kann es sich bei dieser Pfarrkirche nicht die Ritterkapelle handeln, sondern um einen Vorgängerbau.

Unterirdische Mauerzüge südlich der Ritterkapelle

Über die bauliche Art der alten Liebfrauenkapelle oder der Vorgängerin der Pfarrkirche, die vermutliche eins waren, wissen wir nichts.
Ob nun dort ein romanischer Holzbau als Rundkapelle stand, oder vielleicht in dem Mauerkern des 1450 erbauten doppelgeschossigen Beinhauses Reste zu finden sind, ist bis jetzt unbekannt.
Südlich der Ritterkapelle liegen handtief unter dem Erdboden allerlei 60 cm starke Mauerzüge. [Kehl 8, S. 107]

Josef Kehl spricht in seiner Schrift aus dem Jahre 1929 wahrscheinlich von dem südlichen Bereich des Kirchengeländes. Heute steht dort ein Kriegerdenkmal. Kehl stellt also zunächst die Unkenntnis über die Architektur des Vorgängerbaus fest, bevor er von alten unterirdischen Mauerzügen spricht. Er äußert keinerlei Vermutungen über die Herkunft dieser Mauerzüge. Da diese Reste in Reiningers Schrift nicht erwähnt wurden, wurden sie aller Wahrscheinlichkeit nach zwischen 1860 und 1929 entdeckt.

Ehemaliges Beinhaus Zum Vergrößern klicken
Ehemaliges Beinhaus (2012)
Kriegerdenkmal südlich der Ritterkapelle Haßfurt Zum Vergrößern klicken
Kriegerdenkmal südlich der Ritterkapelle

Fundamente des Vorgängerbaus

In der Bodendenkmalliste der Stadt Haßfurt vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege findet sich unter dem Eintrag D-6-5929-0079 folgende Beschreibung:

Untertägige Bauteile der spätmittelalterlichen Kath. Filialkirche St. Maria von Haßfurt, sog. Ritterkapelle, Fundamente eines hochmittelalterlichen Vorgängerbaus sowie Körpergräber des Mittelalters und der frühen Neuzeit. [9, S. 28]

Hier werden ausdrücklich Fundamente eines mittelalterlichen Vorgängerbaus genannt. Die Aktennotiz nennt keine Gründe für diese Einschätzung. Es bleibt unklar, ob diese Fundamente mit den von Kehl genannten Mauerzügen übereinstimmen. Anscheinend gibt es keine veröffentlichten Ergebnisse einer archäologischen Untersuchung des Grundes. In zeitnahen Veröffentlichungen finden diese Funde keine ausdrückliche Erwähnung, jedoch wird ein romanischen Vorgängerbau an der Stelle der heutigen Ritterkapelle genannt. [5, S. 5] [10]

Das Ende des Vorgängerbaus

Haßfurt - Stadtpfarrkirche St. Kilian Zum Vergrößern klicken
Pfarrkirche St. Kilian
Als im 13. Jahrhundert unter Bischof Hermann von Lobdeburg das heutige Haßfurt entstand, mit einem Marktplatz und einer mächtigen Stadtpfarrkirche im Zentrum, zerfiel die Marienkapelle, die nun außerhalb der neuen Stadtmauer zu finden war. [10]