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Der hölzerne Dachreiter

Etwa 1700 erbaut, 1889 ersetzt

Nachdem die Angleichung der Firsthöhen des Langhauses und des Chores durch Julius Echter 1605 abgeschlossen war, wurde auf Höhe der Westseite des Chores ein barocker hölzerner Glockenturm aufgesetzt. Über das Jahr des Baubeginns gibt die Fachliteratur erstaunlich wenig Hinweise. Lediglich bei Christian Baur heißt es

Nach dem Umbau der Kapelle in der Echter-Zeit wurde auf dem nun durchlaufenden First des einheitlichen Daches in Höhe der Chorwestfassade ein hölzernes Türmchen mit barocker Kuppel errichtet. Dieses ersetzte man 1890 durch einen neugotischen Dachreiter aus Sandstein ... [3, S. 61]
Historischer Merian-Kupferstich von Haßfurt aus dem Jahr 1648 Zum Vergrößern klicken
Haßfurt – Kupferstich (1648)

Einen wichtigen Hinweis gibt der im Jahre 1648 veröffentlichte Kupferstich Matthäus Merians von Haßfurt [4]. Er zeigt rechts im Bild die Silhouette der Ritterkapelle nach der Angleichung der Höhen von Langhaus- und Chorfirst im Jahre 1605 durch Julius Echter. Da das Kreuz auf dem östlichen Ende des Firstes erkennbar ist, das deutlich größere Glockentürmchen jedoch fehlt, kann man auf das Fehlen des Türmchens zur Zeit der Erstellung der Kupferstich-Skizze schließen.
Die Skizze für den Kupferstich wurde erst nach 1632 angefertigt, da die alte Mainbrücke, 1632 von den Schweden niedergebrannt, fehlt.
Zusammengefasst liefert der Meriansche Kupferstich für den Baubeginn des hölzernen Glockenturms das Jahr 1632 als Terminus post quem.

Haßfurt - Stahlstich 1847 Gesamten Stahlstich anzeigen
Haßfurt – Stahlstich (1847, Ausschnitt)

Der Stahlstich aus dem Jahre 1847 nach einer Zeichnung von Fritz Bamberger zeigt erstmals den hölzernen Glockenturm. Die heutigen Fialen und die Maßwerkgallerie am Dach des Chores wurden erst unter Heideloff hinzugefügt und fehlen dementsprechend auf dem Bild.

Haßfurt Ritterkapelle – Holzstich etwa 1865 Gesamten Holzstich anzeigen
Ritterkapelle – Holzstich (zwischen 1864 und 1867)

Der Holzstich zeigt die Ritterkapelle nach den Heideloffschen Veränderungen am Chor (1859-1864), ohne sein 1867 [6, S.37] erbautes auffälliges Grabmal. Der Stich ist also vermutlich zwischen 1864 und 1867 entstanden.

Ritterkapelle Haßfurt - Holzstich 1871 Gesamten Holzstich anzeigen
Ritterkapelle – Holzstich (1871)

Dieser Holzstich (1871) von Lorenz Ritter, einem Heideloff‑Schüler, zeigt das Heideloffdenkmal im Vordergrund der Ritterkapelle.

Ritterkapelle Haßfurt - Antikes Foto um 1880 Zum Vergrößern klichen
Antikes Foto der Ritterkapelle um 1880

Dieses sehr alte Foto zeigt die Ritterkapelle zwischen der Heideloffschen (1859‑1864) und der Dornerschen Renovierung (1889‑1890). Das gesamte Langhaus und insbesondere die Westfassade sind offensichtlich sanierungsbedürftig.

Das Glockentürmchen läßt sich gut beschreiben: Auf dem Dachfirst sitzt der sechseckige Grund mit der Laterne und der stark geschwungenen Zwiebel, darüber ein Doppelknauf und vielleicht ein kleines Kreuz. Der Stil lässt sich am ehesten dem Hochbarock zuordnen, was sehr grob auf eine Bauzeit um 1700 schließen läßt, also deutlich später als der Terminus post quem 1632 (s.o.).

Der Ersatz des hölzernen Glockentums durch den steinernen Dachreiter 1889‑1890 durch Anton Dorner ist gut dokumentiert.[5, S.9] [6, S.56]