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Bürgerproteste

gegen Altarinsel, Stele und Übermalung des Kreuzwegs (2008-2010)

Im Zuge der Renovierung 2006–2010 war eine grundlegende Umgestaltung des Chorraums geplant. Vorgesehen waren eine Altarinsel in der Mitte der Kirche sowie eine vergoldete Stele aus Stahl, auf der die hölzerne und die steinerne Pietà präsentiert werden sollten. Der → Nazarener-Kreuzweg sollte übermalt und durch einen barocken Kreuzweg ersetzt werden. Laut vorliegender Quellen hatte der Pfarrgemeinderat dem Konzept offenbar vor der öffentlichen Präsentation des Stele-Modells zugestimmt.

Dies führte zu erheblichen Protesten innerhalb der Bevölkerung: Es folgte eine Unterschriftenaktion mit regem Zuspruch sowie die Gründung einer Intiativgruppe "Pro Ritterkapelle" um Heimatdichter Wilhelm Wolpert. Die Kontroverse sorgte überregional für Aufmerksamkeit. Darüber berichteten unter anderem der Bayerische Rundfunk. Im Haßfurter Tagblatt (später Teil der Main-Post) erschienen zeitweise täglich mehrere Leserbriefe zu diesem Thema. Schließlich erklärte die Redaktion, alle Argumente seien ausgetauscht; weitere Leserbriefe zur Neugestaltung der Ritterkapelle würden nicht mehr veröffentlicht.

Letztendlich wurde die Altarinsel mit der Stele verwirklicht. Der Nazarener-Kreuzweg blieb jedoch erhalten und wurde später restauriert.

Ritterkapelle Haßfurt: Chor mit Altarinsel und Stele Zum Vergrößern klicken
Chor mit Altarinsel und Stele
Ritterkapelle Haßfurt Kreuzweg Seidlein Station 5 und 6 Zum Vergrößern klicken
Nazarener-Kreuzweg

Chronik der Ereignisse

Die hier angegebenen Quellen verweisen zumeist auf Artikel im Archiv der Mainpost.

  • 22.11.06 – "Haßfurter Ritterkapelle wird für 3,2 Millionen Euro restauriert"

    Die Ritterkapelle soll für 3,2 Millionen Euro restauriert werden. Die Kosten tragen Land, Kirche, Stadt und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Der zukünftige Innenraum soll sich an der farblichen Gestaltung der Kirche im 17. Jahrhundert orientieren, mittelalterliche Wandgemälde werden freigelegt. [13]

  • 29.01.08 – "Schlag ins Gesicht"

    Eine Leserbriefschreiberin nimmt im Haßfurter Tagblatt Stellung zu den bekanntgewordenen Umbauplänen (Altarinsel mit Stele). Sie kritisiert mit deutlichen Worten die Errichtung der Stele als modernes Kunstwerk, mit dem die Mehrheit der Gläubigen nichts anfangen könne. Die Stele versperre den Blick auf den Hochaltar und das farbige Kirchenfenster. Der Umbau dürfe nicht allein die Kunstauffassung eines Einzelnen widerspiegeln.

  • 02.02.08 – "Stele auf der Altarinsel - 'Auch wir waren entsetzt'"

    In einem von drei Gymnasiallehrern gemeinsam verfassten Leserbrief im HT beklagen die Verfasser eine "Entstellung" des Haßfurter Wahrzeichens, das sie mit den großen englischen und französischen Kathedralen sowie mit dem Kölner und dem Regensburger Dom vergleichen. Der Pfarrgemeinderat solle erneut zusammenkommen. Ihnen sei die schwierige Situation der Mitglieder des Pfarrgemeinderats bewusst.

  • "Streiflichter aus dem Alltagsleben"

    Ein Kommentar im HT erörtert, was eine moderne Stele in einem der bedeutendsten spätgotischen Bauwerke Unterfrankens zu suchen hätte. "Wie ein Stachel steckt die Stele im Herzen des Haßfurter Wahrzeichens ..."

  • 06.02.08 – "Zoff um Gestaltung der Ritterkapelle: 'Völlig unpassend'"

    Domkapitular Dr. Lenssen plant die Errichtung einer Altarinsel inmitten der Ritterkapelle sowie einer Stele, die nach Ansicht von Kritikern den Blick auf den von Heideloff entworfenen Hochaltar einschränkt. Außerdem soll im gotischen Chor ein barocken Kreuzweg aufgehängt werden. Laut Artikel sind viele Haßfurter entsetzt. Gegen das Konzept richtet sich eine Unterschriftenaktion Wilhelm Wolperts, Godehard Maruschkes, Hubertus Wideras und Dr. Stephan Dillers. Der bekannte Heimatdichter Wolpert fragt, warum sich kurz vor der Kommunalwahl kein Stadtratskandidat des Themas annimmt. Laut Dr. Diller soll Dr. Lenssen geäußert haben, ohne sein Konzept gebe es keine Mittel der Diözese. Der Pfarrgemeinderat hat dem Konzept bereits zugestimmt. [14]

Ritterkapelle Haßfurt: Moderne Stele mit schmerzvoller Pietà um 1400 Zum Vergrößern klicken
Stele mit schmerzvoller Pietà
Moderne Stele mit freudvoller Pietà um 1480 Zum Vergrößern klicken
Stele mit freudvoller Pietà
  • 07.02.08 – "Diskussion um Ritterkapelle geht weiter"

    Laut Stadtpfarrer Reinhold Schmitt, Kaplan Andreas Hutzler, der Vorsitzenden des Pfarrgemeinderats Elisabeth Grasser und dem Mitglied der Kirchenverwaltung Herbert Leuner wird der Pfarrgemeinderat nicht gegen den Willen der Gemeinde abstimmen. Eine "Erpressung" durch Dr. Lenssen habe es nie gegeben. Der Artikel spricht von erheblichem Widerstand gegen die Umbaupläne. Mehr als 1000 Personen beteiligten sich bereits an der Unterschriftenaktion. Frau Grasser betont die Notwendigkeit des Umbaus, um die Vorgaben des 2. Vatikanischen Konzils zu befolgen. Der Nazarener-Kreuzweg sei nicht mehr vollständig erhalten. Er werde nicht zerstört, sondern übermalt. Der barocke Kreuzweg passe hervorragend in die Kirche. Die Enscheidung über den Umbau sei noch offen. [15]

  • 08.02.08 – "Mehr Verständnis für das Projekt"

    Bürgermeister Rudi Eck verneint die Vorwürfe, Domkapitular Dr. Lenssen habe Druck auf die Kirchenverwaltung oder den Pfarrgemeinderat genommen. Er sei Zeuge der Vorstellung der Umbaupläne gewesen. Obwohl er die Vorwürfe zurückweist, fordert er eine Klärung der Behauptungen, Dr. Lenssen habe die Gremien erpresst. [17]

  • 08.02.08 – "Tief betroffen von den Angriffen"

    Dr. Lenssen zeigt sich über die Vorwürfe sehr verwundert. Es habe bei der Präsentation seines Konzeptes mit Pfarrer, Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat gute Gespräche gegeben. Von Zuschüssen im Zusammenhang mit der Altarinsel sei dabei niemals die Rede gewesen. Er wolle den Charakter der Ritterkapelle als Wallfahrtskirche mehr betonen. Bereits zur Zeit Julius Echters habe sich ein Altar in der Mitte der Kirche befunden. Der Nazarener-Kreuzweg leide unter dem Verlust der umgebenden neugotischen Ausmalung. Er habe vorgeschlagen, ihn durch einen farblich passenden barocken Kreuzweg zu ersetzen. [18]

  • 10.02.08 – "2353 Unterschriften gegen Stele und barocken Kreuzweg"

    Im Artikel wird angekündigt, dass die Initiatoren der Unterschriftenaktion die gesammelten 2353 Unterschriften am folgenden Mittwoch Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand persönlich überreichen wollen. [19]

  • "Stele rein – Stele raus"

    Leserbrief von Heidi Krauß im Haßfurter Tagblatt:

    Dank der mutigen Leserbriefschreiber, der trefflich gereimten Fastnachtspredigt unseres verehrten Herrn Stadtpfarrer und des engagierten Einsatzes des geschätzten Herrn Wolpert können Haßfurts Bürger nach dem Sturm der Entrüstung etwas aufatmen. Bei meinem persönlichen "Steleschauen" ist mir auffallend bewusst geworden, dass moderne neue Impulse nicht um jeden Preis umgesetzt werden dürfen.

    Durch die raketenartig aufragende Stele verlieren Hochaltar und der gesamte Kirchenraum viel von ihrer würdigen ursprünglichen Schönheit. Als ich vor rund 40 Jahren an Weihnachten zum ersten Mal die Ritterkapelle betrat, war ich von dem mit schlichten Tannenzweigen geschmückten Altar, der mit dem gesamten Chorraum so viel Festlichkeit ausstrahlte, tief beeindruckt. Diese Schönheit gilt es nun mit Hilfe der Unterschriftenaktion zu bewahren. Ein anderer Vorschlag sei mir an dieser Stelle gestattet: Würde die Stele mit der steinernen Pietà und dem Trostengel nicht vorzüglich in die Kapelle am neuen Friedhof passen?

    Sollte die ungeliebte Stele trotz aller Proteste tatsächlich errichtet werden, kann ich nur hoffen, dass ich es noch erlebe, wie sie eines Tages ausrangiert in Würzburgs Reservatenkammer landet.

  • 11.02.08 – "Erst mal Ruhe einkehren lassen"

    Diakon Manfred Griebel bescheinigt beiden Seiten, das Beste für die Pfarrei zu wollen. Trotzdem kritisiert er die Unterschriftenaktion. Man solle jetzt erst einmal den neuen Gesprächstermin am 19. Februar abwarten und Ruhe einkehren lassen. [20]

Ritterkapelle Haßfurt: Renovierung des Chors 2006-2010 Zum Vergrößern klicken
Chor, Renovierung 2006-2010
Ritterkapelle Haßfurt: Renovierung der Empore 2006-2010 Zum Vergrößern klicken
Empore, Renovierung 2006-2010
  • 13.02.08 – "Diskussion über Stele wurde verschoben"

    Domkapitular Lenssen wollte am 19. Februar der Pfarrversammlung ein neues Konzept zur Umgestaltung vorlegen. Eine von Bürgermeister Eck veranlasste Gesprächsrunde beschließt nun eine Verlegung dieses Termins. Währenddessen legt Wilhelm Wolpert mit einer Bürgervertretung die 2353 gesammelten Unterschriften gegen den geplanten Umbau dem Generalvikar Karl Hillenbrand vor. Dieser lobt die Unterschriftenaktion als Ausdruck eines großen Interesses der Gemeinde an ihrem Gotteshaus. Zugleich betont er, dass man Pfarrer Reinhold Schmitt († 22.01.2026) und die Kirchengremien, die sich für die Gemeinde einsetzen, mit einbinden müsse. Bischof Hoffmann werde eine ausgewogene Entscheidung treffen. [21]

  • 22.02.08 – "Leserforum: Wozu ein neues Modell?"

    Eine Leserbriefschreiberin erinnert an die Übergabe von 2353 Unterschriften an den Vertreter des Bischofs. Die Unterzeichner wenden sich gegen die geplante Stele, den Mittelaltar und den barocken Kreuzweg. Die Autorin fragt, weshalb nun ein neues Modell der Stele angefertigt werde. Ihrer Ansicht nach wollten die Unterzeichner kein geändertes Modell, sondern überhaupt keine Stele und keine Altarinsel. Sie plädiert dafür, auf den Umbau zu verzichten und die dafür vorgesehenen Mittel stattdessen für die Restaurierung des Nazarener-Kreuzwegs einzusetzen. Abschließend weist sie darauf hin, dass viele Einheimische die Renovierung der Ritterkapelle persönlich finanziell unterstützt hätten. [22]

  • 07.04.08 – "Neue Stele ist noch hässlicher"

    Neue Entscheidungen der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderats werden am 16. April erwartet. Ein neues Modell der Stele wurde aufgestellt, Besichtigungen sind vor der Entscheidung der Gremien nicht gestattet. Laut Stadtpfarrer Schmitt haben sich die Gremien bereits zu Änderungen des Innenraums entschlossen. So sollen die Bänke im Chor nach innen gedreht werden, um dort einen kleinen Andachtsraum entstehen zu lassen. Zum Konzept gehören außerdem eine Altarinsel sowie eine Stele für die beiden Gnadenbilder. Der Artikel erinnert daran, dass dieses Konzept zu einer Unterschriftenaktion gegen die Pläne führte, die inzwischen 2381 Unterschriften umfasst. Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat sprechen sich inzwischen für moderate Änderungen aus.: Eine niedrigere Stele und eine niedrigere Altarinsel. Pfarrer Schmitt sieht in den Planungen keinen Widerspruch zum Bürgerwillen. Er begründet dies damit, dass viele Unterzeichner nach seiner Auffassung nicht gewusst hätten, worum es gehe.

    Laut Wilhelm Wolpert, einer der Initiatoren der Unterschriftenaktion, ist die neue Stele noch hässlicher als die alte. Die Gremien sollten nicht gegen die Mehrheit der Bevölkerung entscheiden. Auf Kritik, dass nicht nur Haßfurter Katholiken unterschrieben hätten, anwortet Wolpert, dass auch ehemalige Haßfurter und auch Haßfurter Protestanten das Recht haben, zu unterschreiben. [23]

  • 08.04.08 – "Leserforum: Es fehlt die sachliche Debatte"

    Ein Leserbriefschreiber betont die Pressefreiheit und nennt den entsprechenden Artikel des Grundgesetzes. Dennoch kritisiert er einen "Drall" in der Berichterstattung. Er hält es für berechtigt, dass die kirchlichen Entscheidungsträger ihr Modell zunächst ohne Druck von außen ausarbeiten und es erst anschließend den Gläubigen vorstellen. [24]

Ritterkapelle Haßfurt: Renovierung des Chors und des Hochaltars 2006-2010 Zum Vergrößern klicken
Hochaltar, Renovierung 2006-2010
Ritterkapelle Haßfurt: Renovierung des Langhauses 2006-2010 Zum Vergrößern klicken
Langhaus, Renovierung 2006-2010
  • 09.04.08 – "Gegner der Lenssen-Stele sind empört"

    Laut Artikel herrscht in der Haßfurter Bevölkerung wieder große Aufregung: Ein neues Modell der Stele wurde kurzfristig in der Ritterkapelle Haßfurt aufgestellt und wird bereits vergoldet. Dies bedeutet nach Ansicht der Kritiker, dass vor der offiziellen Entscheidung der Gremien vollendete Tatsachen geschaffen werden. Pfarrer Schmitt erklärte , dass die Ritterkapelle eine Altarinsel mit Stele bekommen werde. Der Pfarrgemeinderat werde darüber am 16. April entgültig entscheiden.

    Wolpert, Initiator der Unterschriftenaktion, spricht von einer Aufregung in Haßfurt wie nie zuvor: Die Bürger seien wütend, dass ihre Unterschriften nichts wert seien, andere seien empört über den Pfarrer, der die Unterzeichner ein "eigenartiges Gemisch" genannt habe. Laut Wolpert nehme die Kirche die Spenden dieses "eigenartigen Gemisches" gerne an. Wolpert gibt sich kämpferisch: „Wir werden auf jeden Fall all unsere Kraft dafür einsetzen, dass dieses Monstrum wieder verschwindet.“ Diese Stele in einer gotischen Kirche sei undenkbar, eine Diskussion erst nach der endgültigen Entscheidung der Gremien sinnlos. Bei der entscheidenden Sitzung von Pfarrgemeinderat und der Kirchenverwaltung am 16. April in der Ritterkapelle werde man vor der Tür stehen und seine Meinung zum Ausdrucke bringen.

    Dr. Lenssen wiederum teilte mit, die Entscheidung über die Stele träfen alleine Pfarrer Schmitt und die Gremien. Falls die Stele nicht gewünscht sei, könne sie jederzeit an einem anderen Ort aufgestellt werden. Allerdings könne nicht immer alles beim Alten bleiben. Von den 2381 Unterschriften stammten nur 1200 aus der Pfarrei Haßfurt. Anschließend bedauerte Dr. Lenssen die Spaltung der Gemeinde, denn gerade jetzt sei ein Miteinander notwendig. [25]

  • 13.04.08 – "Andere warten schon auf die Lenssen-Stele"

    Der folgende Eintrag beruht auf einer Zusammenfassung Wilhelm Wolperts über ein Gespräch der Initiativgruppe „Gegen die Teilung der Ritterkapelle“ mit Kirchenverwaltung und Dr. Lenssen.

    Laut Dr. Lenssen kam der Wunsch nach Altarinsel, Stele und neuem Kreuzweg ausschließlich aus Haßfurt. Lenssen selbst habe nur Vorschläge unterbreitet. Wie Dr. Lenssen weiter ausführt, sei die Stele lediglich ein Modell und könne jederzeit an einem anderen Ort aufgestellt werden, wo man bereits darauf warte.

    Nach Auffassung der Initiativgruppe verkleinere die Altarinsel die Ritterkapelle. Für die Besucher sei der Blick auf die erhabene Größe des gotischen Raumes und auf den Hochaltar eingeschränkt. Weiter bestehe keine Veranlassung, den schönen Nazarener-Kreuzweg zu übertünchen und stattdessen einen barocken Kreuzweg aufzuhängen.
    Auch ein Mitglied der Kirchenverwaltung schloss sich dieser Auffassung an. [26]

  • 17.04.08 – "Entscheidung ist gefallen: Die Stele bleibt"

    Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung stimmen in geheimer Sitzung für den Mittelaltar mit Stele und für die Übermalung des Nazarener-Kreuzwegs.

    Auf der anschließenden Pressekonferenz äußern sich Stadtpfarrer Schmitt, Kaplan Hutzler, Diakon Griebel und Gemeinderatsvorsitzende Grasser. Sie folgen der Argumentation Dr. Lenssens und der Kunstkommission der Diözese, die die Notwendigkeit eines Mittelaltars als Mittelpunkt der Gemeinde betonten. Zudem sei die Ritterkapelle kein rein gotisches Gebäude; das Langhaus sei im Renaissancestil erbaut worden.

    Annette Faber vom Landesamt für Denkmalpflege zufolge nehme das Amt keinerlei Einfluss auf die liturgische Gestaltung. Der Nazarener-Kreuzweg sei ehemals von einer spätgotischen Ausmalung eingerahmt gewesen. Eine Restauration sei als nicht sinnvoll erachtet worden.

    Laut Elisabeth Grasser habe die Initiativgruppe "Gegen die Stele" sowohl ihre als auch Pfarrer Schmitts Zusage erhalten, keine Entscheidung vor einer öffentlichen Versammlung zu treffen. Die Gremien seien jedoch zu einer anderen Entscheidung gelangt. Ab sofort sei die Ritterkapelle wieder geöffnet. Am 24.4. soll das Konzept der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Sie hoffe, dass die Gemeinde die Vorschläge akzeptiert. [27]

Ritterkapelle Haßfurt: Renovierung des Langhauses 2006-2010 Zum Vergrößern klicken
Langhaus und Chor, Renovierung 2006-2010
Ritterkapelle Haßfurt: Renovierung der Empore und des Langhauses Zum Vergrößern klicken
Empore und Langhaus
  • 22.04.08 – "Stele-Streit: Der Bischof als letzter Strohhalm"

    Wilhelm Wolpert, Sprecher der Initiativgruppe "Für die Ritterkapelle, gegen die Stele", kündigt für den 24. April eine Versammlung mit anschließender Diskussion in der Ritterkapelle an. Er lädt alle Unterzeichner seiner Unterschriftenaktion ein. Nach seinen Angaben ist im Streit um die Umgestaltung letztlich der Würzburger Bischof Friedhelm Hoffmann die letzte Instanz. [28]

  • 28.04.08 – "Buh-Rufe gegen den Pfarrer"

    Am 24. April fand in der Ritterkapelle vor etwa 200 Besuchern eine Versammlung mit Diskussion über den Umbau der Ritterkapelle statt. Die Argumente der Befürworter des Umbaus, Stadtpfarrer Schmitt und Domkapitular Dr. Lenssen, wurden von Beginn an mit Gelächter, Empörung und lauten Buh-Rufen unterbrochen. Zwischenrufe wie "Wir haben kein Vertrauen mehr zu den Kirchengremien" machten eine Diskussion unmöglich.

    Wilhelm Wolpert führte unter "frenetischem Jubel" aus, dass sich Tausende hintergangen fühlten. Er bestand darauf, die Ritterkapelle in ihrem ursprünglichen Zustand zu belassen. Reden von Stadtpfarrer Schmitt, der einen Brief von Bischof Hoffmann vorlas, und von Dr. Lenssen, der die Entscheidungsmacht der Haßfurter Gremien betonte, waren vergeblich. Bürgermeister Rudi Eck, der sich schützend vor Schmitt und Lenssen stellte, wurde ebenso mit Pfiffen und gehässigen Kommentaren bedacht.

    Laut Initiativgruppe sei das Schlimmste an der Sache, dass die Gremien vor ihrer Entscheidung die Gemeindemitglieder nicht mehr gehört haben, obwohl Pfarrer und Gemeinderatsvorsitzende genau das versprochen hätten.

    Nach Auffassung des Artikelautors sind die Würfel gefallen, die Stele wird bleiben, auch wenn die Menge noch so tobt. Er äußert die Hoffnung, dass sich alles wieder beruhigt, auch wenn bereits mehrere Gemeindemitglieder aus der Kirche ausgetreten seien. [29]

  • 01.05.08 – "Leserforum: Entsetzt über den Eklat in der Kirche"

    Eine Leserbriefschreiberin findet die Stele schön. Sie widerspricht der Aussage, die meisten Katholiken hätten sich gegen die Stele ausgesprochen, und argumentiert, die Anzahl der Unterschriften gegen Stele und Altarinsel würden nur 47% der Katholiken ausmachen. Sie äußert Entsetzen über das Betragen der "Lektoren, Kommunionhelfer oder sogar Wortgottesdienstleiter". Sie vergleicht diese Personen mit dem zwölften Apostel. [Anm.: Gemeint ist Judas]. Sie schäme sich für die ihrer Ansicht nach negative Werbung für die Stadt Haßfurt. Diese Gruppe vertreibe Pfarrer Schmitt aus Haßfurt. Sie fordert die Unterzeichner auf, sich bei der nächsten Wahl für die Kirchengremien zur Wahl zu stellen. Am Ende bezeichnet sie diese Aktion [Anm.: gemeint sind die Unmutsäußerungen am 24.4. in der Ritterkapelle] als typisch für Haßfurt. [30]

Ritterkapelle Haßfurt: Renovierung der Westfassade 2006-2010 Zum Vergrößern klicken
Westfassade, Renovierung 2006-2010
  • 13.05.08 – "Ritterkapelle: Lange keine Wallfahrtskirche mehr"

    Dr. Stephan Diller und Wolfgang Jäger vom Historischen Verein Landkreis Haßberge wenden sich gegen die geplante Altarinsel mit Stele sowie gegen die Übermalung des Nazarener-Kreuzwegs. Sie argumentieren mit der Haßfurter Stadtordnung von 1630 und der Internationalen Charta über die Konservierung und Restaurierung von Denkmälern vom 31. Mai 1964.

    Sie zitieren aus der Stadtordnung 1630:

    Es haben die Alten viel davon gesagt, wie vor Zeiten ein weltberümbte, ansehenliche Wallfahrtsbesuchung in dieser Marienkapelle gewesen sein soll.

    Daraus schließen sie, dass eine Wallfahrt bereits 1630 nur noch den Alten bekannt war. Schon Julius Echter habe bei seiner Renovierung 1603/04 den Gnadenaltar als Ziel der Wallfahrt aus der Mitte des Langhauses an der Rand versetzen lassen. Die heutigen Restauratoren müssten dies konsequenterweise berücksichtigen, wenn sie im Langhaus das Aussehen nach der Echterschen Renovierung herbeiführen wollen.

    Anschließend zitieren sie aus der Internationalen Charta über die Konservierung und Restaurierung von Denkmälern vom 31. Mai 1964:

    Die Restaurierung ist eine Maßnahme, die Ausnahmecharakter behalten sollte. Ihr Ziel ist es, die ästhetischen und historischen Werte des Denkmals zu bewahren und zu erschließen. Sie gründet sich auf die Respektierung des überlieferten Bestandes und auf authentische Dokumente. Sie findet dort ihre Grenze, wo die Hypothese beginnt. ... Zu einer Restaurierung gehören vorbereitende und begleitende archäologische, kunst- und geschichtswissenschaftliche Untersuchungen.

    Laut Diller und Jäger müssen als Hypothesen die Interpretation der Ritterkapelle als Wallfahrtskirche sowie die historische Begründung für den Mittelaltar angesehen werden. Die in der Charta geforderten archäologischen, kunst- und geschichtswissenschaftlichen Untersuchungen wurden durch das Landesamt für Denkmalpflege und von der Pfarrei "endgültig und definitiv" abgelehnt.

    Gegen die Ersetzung des Nazarener-Kreuzwegs durch einen barocken Kreuzwegs zitieren Diller und Jäger Artikel 12 der Charta:

    Die Elemente, welche fehlende Teile ersetzen sollen, müssen sich dem Ganzen harmonisch einfügen und vom Originalbestand unterscheidbar sein, damit die Restaurierung den Wert des Denkmals als Kunst und Geschichtsdokument nicht verfälscht.

    Weitere Gründe gegen den Bau der Altarinsel mit Stele finden sich nach Ansicht von Diller und Jäger in der "Instruktion der Ritenkongregation zur ordnungsgemäßen Durchführung der Konstitution über die Heilige Liturgie vom 26. September 1964" sowie "in den Leitlinien für den Bau und die Ausgestaltung von gottesdienstlichen Räumen der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz vom 25. Oktober 1988".

    Zuletzt weist der Artikel noch auf eine Fernsehsendung des Senders TV Touring am 15. April hin, bei der beide Seiten noch einmal zu Wort kommen sollen. [31]

Ritterkapelle Haßfurt: Auferstehungsgruppe in modernem Rahmen Zum Vergrößern klicken
Auferstehungsgruppe in modernem Rahmen
  • 08.06.08 – "Ja zum Mittelaltar, Nein zur Stele"

    Bei einer weiteren Sitzung des Pfarrgemeinderats erläuterte Wilhelm Wolpert erneut die Ziele der Initiativgruppe "Pro Ritterkapelle". Die Gruppe sei bereit, den neuen Mittelaltar zu akzeptieren. Die goldene Stele für die Gnadenbilder lehne man weiterhin ab, denn sie passe nicht in eine gotische Kirche.

    Laut Wolpert müsse auch der Nazarener-Kreuzweg erhalten werden. Der barocke Kreuzweg, den die Obervolkacher nicht mehr in ihrer gotischen Kirche sehen wollten, solle nicht in Haßfurt aufgehängt werden, nur weil der bestehende Kreuzweg saniert werden müsse.

    Wolpert ist sich sicher, dass die Pfarrgemeinderäte sich seiner Argumentation anschließen werden. [32]

  • 23.06.08 – "Für Stele, gegen Kreuzweg"

    Der Pfarrgemeinderat und die Kirchenverwaltung sprechen sich nach erneuter Abstimmung für die Altarinsel mit Stele, aber auch – unter finanziellem Vorbehalt – für die Beibehaltung des Nazarener-Kreuzwegs und gegen den barocken Kreuzweg aus. Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Elisabeth Grasser führt aus, mit der Altarinsel werden die Anforderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils erfüllt. Unabhängig davon solle der Kreuzweg erhalten werden. Frau Grasser hofft, mit dieser Entscheidung die Gemüter zu beruhigen. [33]

  • 01.07.08 – "Zoff um Ritterkapelle geht weiter: An Glaubwürdigkeit und Vertrauen verloren"

    Wilhelm Wolpert äußert in einer Pressemitteilung der Gruppe "Pro Ritterkapelle" Kritik insbesondere an den Verantwortlichen im Bischöflichen Ordinariat in Würzburg.

    Wolpert äußert seine Freude über die Rettung des Nazarener-Kreuzwegs, wendet sich aber entschieden gegen die goldene Stele. Er stellt die Frage, ob der Kampf um die Stele verloren ist. Verloren gegangen sei das Vertrauen in den Stadtpfarrer, die Glaubwürdigkeit der Pfarrgremien und der Verantwortlichen im Bischöflichen Ordinariat in Würzburg. Verloren sei auch das Vertrauen in den Bischof, der sich einseitig informiert hat und nichts ändern will.

    Die Initiativgruppe "Pro Ritterkapelle" will auch weiterhin Ansprechpartner der Haßfurter Bürger sein. [34]

  • 06.03.09 – "Mariensäule 'nicht vermittelbar'"

    In einer erneuten Pressemitteilung der Initiativgruppe "Pro Ritterkapelle" bezeichnet Wilhelm Wolpert die goldene Stele, die mittlerweile "Mariensäule" genannt wird, als "weiterhin nicht vermittelbar". Der Streit sei keinesfalls beigelegt, auch wenn man in den vergangenen Monaten einen anderen Eindruck gewinnen konnte.

    Wolpert sieht die Initiativgruppe als Vertreterin der Mehrheit der Bürger und verweist dabei auf die 2500 Unterschriften gegen den Umbau. Die Initiativgruppe werde erneut auf die Kirchengremien und den neu ernannten Pfarrer Stephan Eschenbacher zugehen.

    Wolpert begrüßt die Zusage des ehemaligen Pfarrers Reinhold Schmitt zur Erhaltung des Nazarener-Kreuzwegs. Die Mehrheit lehne die Stele jedoch weiterhin ab.

    Wolpert weist auf eine Aussage Lenssens zum Abriss einer "Betonkirche" in Waigolshausen hin, die auch den Haßfurtern von Nutzen sein könnte: Man könne das einer Gemeinde nicht aufzwingen, sie müsse die Maßnahmen mittragen. Laut Wolpert könne diese Einsicht Lenssens den Haßfurtern bezüglich einer Problemlösung noch zu Gute kommen. [35]
    [Anmerkung: Der denkmalgeschützte frühgotische Kirchturm der ehem. Pfarrkirche in Waigolshausen (Landkreis Schweinfurt) blieb erhalten, das moderne Langhaus (1961) wurde 2013 abgerissen]

Waigolshausen – ebemalige Pfarrkirche St. Jakobus d. Ältere mit modernem Langhaus Zum Vergrößern klicken
Waigolshausen – St. Jakobus
Waigolshausen – ebemalige Pfarrkirche St. Jakobus d. Ältere nach Abriss des modernen Langhauses 2013 Zum Vergrößern klicken
Abriss des Langhauses 2013
  • 21.08.09 – "Kreuzweg-Gemälde in die Raumfassung einbeziehen"

    Der Artikel berichtet erstmals über konkrete Schritte zur Restaurierung des Nazarener-Kreuzwegs, nachdem es bislang nur mündliche Zusagen zur Erhaltung gab.

    Laut Artikel wurde der Kreuzweg zu Beginn der Innenrenovierung von der Firma Gebrüder Wald gesichert. Der 1884 von Franz-Josef Seidlein im Sockelgeschoss des Chors aufgemalte Kreuzweg war ursprünglich von einem Dekorfeld umgeben, das bei späteren Renovierungen übermalt wurde. Derzeit werde mit unterschiedlichen Farben experimentiert, um eine geeignete Umrahmung der Bilder zu finden. [36]

  • 27.01.10 – "Leserforum: Ritterkapelle zum Pappkarton degradiert"

    Der Leserbriefschreiber preist zunächst die Ritterkapelle als weithin bekanntes Wahrzeichen der Stadt. Dann beklagt er den grauen Anstrich der Sandsteinmauern und den Verlust des früheren Erscheinungsbildes. Er spricht von einer "Degradierung" der Ritterkapelle "zu einem Pappkarton" und einer "Verschandelung der guten alten Baukunst".

    Zusätzlich kritisiert er ein modernes Kunstwerk am Haßfurter Kreisel. Er schließt mit der Bemerkung, man solle Politiker von der Kunst fernhalten, denn sie verstünden davon scheinbar genau so wenig wie von der Politik. [38]

Ritterkapelle Haßfurt Sandsteinmauern vor der Renovierung 2010 Zum Vergrößern klicken
Vor der Renovierung
Ritterkapelle Haßfurt mit Kreuzigungsgruppe nach der Renovierung 2010 Zum Vergrößern klicken
Nach der Renovierung
  • 29.07.10 – "Ritterkapelle glänzt im Innern wie neu"

    Der neue Stadtpfarrer Stephan Eschenbacher führt die Stadträte durch die Ritterkapelle. Die Renovierungen sind noch nicht ganz abgeschlossen. Die Veränderungen werden einzeln beschrieben. Die umstrittenen Objekte Altarinsel und Mittelaltar, Stele und Kreuzweg werden in dem Artikel nur nebenbei erwähnt. Am 12. September wird Bischof Friedhelm Hoffmann den Altar weihen.

    Anlässlich einer Führung durch die Ritterkapelle bittet Stephan Eschenbacher die Stadträte, keine Fotos des Innenraumes zu veröffentlichen. Die Öffentlichkeit solle sich selbst ein Bild machen.

    Eschenbacher geht kurz auf die drei Fürstbischöfe Johann II. von Brunn († 1440), Rudolf II. von Scherenberg (1401-1495) und Julius Echter (1545-1617) ein. Johann II. ist für den Bau der Kirche, Rudolf II. für den Einbau der Empore und Julius Echter für die Erhöhung der Decke und für die Ausmalung der Kirche verantwortlich. Aus der Zeit Echters stammt der freigelegte Christopherus. Weiter wurden folgende Veränderungen vorgenommen:

    • Ausmalung der Kirche wie zu Echters Zeiten
    • Anbringung eines Eva-Torsos, eines Reliefs mit einem Christuskopf sowie eine Ölbergkomposition.
    • Restaurierung der Apostelleuchter
    • Anbringung mehrerer Strahler an der Decke
    • Kerzen an den Pilastern
    • Ergänzung der Bodenfliesen durch gleichartige Fliesen
    • Ein Christuskorpus hängt nun mit einem neu erschaffenen Kreuz vom Chor
    • Das früher über dem Chor angebrachte Kreuz hängt nun über der Empore
    • Die Schlimbachorgel wird erst nach Abschluss der Innenrenovierung restauriert werden
    • Zwischen Chor und Langhaus wurde ein Altar mit einer goldenen Säule [Anmerkung: Mittelaltar mit Stele] für beide Pietas errichtet
    • Im Chorraum soll ein beweglicher Altar mit Ambo für Feiern im kleinen Rahmen aufgestellt werden
    • An der Decke des Chors wurde ein Wappen Julius Echters und das vermutlich älteste Stadtwappen freigelegt
    • Der Kreuzweg von 1890 wurde erhalten und bekam eine neue Umrahmung
    • Der Hochaltar wurde lediglich gesäubert [Anmerkung: Der Hochaltar ist teilweise beschädigt]
    • Die hölzerne Pietà soll an Mariä Geburt von der Pfarrkiche in die Ritterkapelle übertragen werden

    Die anwesenden Stadträte äußerten teils Zustimmung zur Helligkeit und Farbigkeit der Ritterkapelle, teils Ablehnung von neuem Mittelaltar und modernen Kerzenhaltern. [39]

Ritterkapelle Haßfurt: Deckenfresko mit dem Heiligen Ambrosius Zum Vergrößern klicken
Deckenfresko Hl. Ambrosius
Ritterkapelle Haßfurt: Deckenfresko mit Kirchenvater Zum Vergrößern klicken
Deckenfresko Kirchenvater
  • 03.08.10 – "Initiative 'Pro Ritterkapelle' stellt Arbeit ein"

    Die Initiative "Pro Ritterkapelle" kündigt in einer Pressemitteilung ihren Rückzug an. Die Verantwortlichen für diese Pressemitteilung werden diesmal nicht genannt.

    Die Ritterkapelle wird in absehbarer Zeit wieder den Haßfurter Bürgern übergeben. Laut Initiativgruppe "Pro Ritterkapelle" hatten die Planungs- und Renovierungsarbeiten für großen Unmut in der Kirchengemeinde gesorgt. Der Einbau einer Stele konnte nicht verhindert werden. Jedoch konnte der Nazarener-Kreuzweg restauriert werden, obwohl es im Vorfeld hieß, dies sei nicht möglich.

    Die Initiativgruppe "Pro Ritterkapelle" kündigt seinen Rückzug an und dankt allen Unterstützern. [45]

  • 26.08.10 – "Der Himmel auf Erden"

    Das Kulturreferat der Diözese Würzburg, vertreten durch Dr. Lenssen, und das Landesamt für Denkmalpflege, vertreten durch Anette Faber, laden zur Pressekonferenz in die neu renovierte Ritterkapelle. Dr. Lenssen erklärt ausführlich die umstrittenen Änderungen anhand der Geschichte der Ritterkapelle. Anette Faber kündigt die Auflage eines neuen Kirchenführers innerhalb eines Jahres an. Sie erläutert die Bemalung im Innenbereich und den Anstrich im Außenbereich der Ritterkapelle.

    Die Renovierung der Ritterkapelle ist fast abgeschlossen. Anlässlich einer Pressekonferenz des Kulturreferats der Diözese Würzburg und des Landesamtes für Denkmalpflege äußert sich Pfarrer Eschenbacher erfreut über die baldige Wiedereröffnung der Ritterkapelle. Der zweite Bürgermeister Karl-Heinz Eppelein betont die überregionale Bedeutung und die Identifikation der Bevölkerung mit der Ritterkapelle.

    Kulturreferent Dr. Lenssen geht auf die Geschichte der Ritterkapelle ein, um die umstrittene Altarinsel mit der Stele für die beiden Gnadenbilder zu rechtfertigen. Laut Dr. Lenssen muß es um das Jahr 1400, als der Chor der Ritterkapelle erbaut wurde, ein heute verlorenes Gnadenbild gegeben haben. Eine adelige Bruderschaft, zu Ehren des Gnadenbildes gegründet, hinterließ ihre Wappen an der Außenseite des Chores. Bald etablierte sich eine urkundlich belegte gut besuchte Wallfahrt. Nach dem Verlust des Gnadenbildes standen die beiden Vesperbilder im Mittelpunkt. Die jetzige Neugestaltung mit Altarinsel und moderner Stele rechtfertigt Lenssen mit der Dokumentation der Geschichte des Glaubens von der Gotik bis zur Neugotik. Die jetzige Lösung sei eine Mischung zahlreicher Kunststile.

    Anette Faber erläutert die Entscheidungsfindung der Farbgebung im Innen- und Außenbereich der Ritterkapelle. Sie kündigt einen neuen Kirchenführer [5] an, in dem die neuen Befunde veröffentlicht werden. Der Nazarene-Kreuzweg wurde restauriert. Darüber hinaus konnte die neugotische Bemalung der Chorwände, die um 1960 entfernt wurde, aus Kostengründen und wegen Unstimmigkeiten im Raumbild nicht wieder hergestellt werden. An Decken und Wänden wurden historische Bemalungen wiederhergestellt, etwa das Wandgemälde des Hl. Christopherus oder die Deckengemälde der Kirchenväter von 1460. Der graue Anstrich mit schwarzen Linien soll den Außenbereichs aussehen lassen, als bestünde er aus regelmäßigen Steinquadern. Laut Faber orientiere man sich am Aussehen der großen gotischen Kathedralen in Frankreich.

    Die feierliche Altarweihe wird am Sonntag, dem 12. September, durch Bischof Friedhelm erfolgen. [40]

  • 27.08.10 – "3,5 Millionen Euro investiert"

    Nach sechs Jahren Planung und vier Jahren Bauzeit wird die Renovierung der Ritterkapelle am 12. September abgeschlossen. Von den 3,5 Millionen Euro Kosten fallen auf die Diözese Würzburg 1,322 Millionen Euro, auf das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege 956 000 Euro. Die Bayerische Landesstiftung und die Stadt Haßfurt beteiligten sich mit 364 000 Euro bzw. 323 000 Euro, die Katholische Kirchenstiftung Haßfurt und die Ritterkapellenstiftung mit 154 000 Euro bzw. 5000 Euro. Frau Grasser vom Pfarrgemeinderat bittet um weitere Unterstützung.

    Offizielle Eröffnung wird die Altarweihe von Bischof Hofmann am 12. September sein. „Im Hinblick auf die bevorstehende Altarweihe erwähnt der Artikel nochmals, dass die Initiativgruppe "Pro Ritterkapelle" ihren Protest beendet hat. [41]

  • 13.09.10 – "Bischof weiht Altar"

    Bischof Friedhelm Hoffmann weihte am 12. September den Zelebrationsaltar ein. Damit wurde die Ritterkapelle wieder für Gottesdienste freigegeben. Bischof Hoffmann bezeichnete die Ritterkapelle als Schatzkammer der Geschichte. Der Streit um die Stele zeige das Interesse der Bürger an der Ritterkapelle.

    Architekt Schröder würdigte Oberkonservatorin Anette Faber vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Bürgermeister Eck beurteilte die Sanierung als "hervorragend gelungen". [50]

  • 13.09.10 – "Ritterkapelle: Schöner geworden als je gedacht"

    Nach der Altarweihe am 12. September gab es einen Empfang im Pfarrsaal. Aussagen von Anette Faber vom Landesamt für Denkmalpflege lassen erstmals erkennen, dass sie ältere Stilrichtungen gegenüber der Neugotik bevorzugt.

    Bei dem Empfang im Pfarrsaal lobte der Architekt Dag Schröder Anette Faber und die Kirchenmaler der Gebrüder Wald GmbH für ihre meisterhafte Umsetzung der Restaurierung und die Wiederentdeckung der Neufassung im Innenraum. Pfarrer Echenbacher würdigte Herbert Leuner von der Kirchenverwaltung und Elisabeth Grasser vom Pfarrgemeinderat. Herbert Leuner wiederum dankte in einem Grußwort dem ehemaligen Stattpfarrer Schmitt und den Zuschussgebern, darunter private Spender, die sich mit 100.000 Euro beteiligt hatten.

    "Ich hatte gedacht, das wird so ein neugotisches Ding", sagte Annette Faber salopp. Denn man sei zunächst davon ausgegangen, dass die Kirche im neugotischen Stil restauriert werde. "Doch im Inneren haben wir ein ganz anderes Kapitel aufgeschlagen, was den Gebrüdern Wald zu verdanken ist."

    Abschließend erläuterte Domkapitular Lenssen noch einmal die Absicht der Renovierung. Ihm sei es darum gegangen, die Intention der Bruderschaft, die sich zum Bau der Ritterkapelle gegründet hatte, herauszustellen und die beiden Gnadenbilder wieder in den Mittelpunkt der Kirche zu stellen. [51]

  • 13.11.12 – "Leserforum: Schmiererei nochmals beschmiert"

    Die Initiative "Pro Ritterkapelle" hat ihren Protest beendet. Die Kritik an der Renovierung der Ritterkapelle hält dennoch an. Eine Leserbriefschreiberin reagiert auf einen Bericht über Schmierereien von Vandalen an der Außenwand der Ritterkapelle:

    Die Leserbriefschreiberin würdigt den natürlichen, einzigartigen Charakter des fränkischen Buntsandsteins. Dieser Charakter sei der Ritterkapelle durch Überstreichung mit "mausgrauer Farbe" während der Renovierung vollständig genommen worden. Sie vergleicht diese Überstreichung mit den Schmierereien und kritisiert, dass die Entfernung der Schmierereien durch Spenden finanziert werden soll. [51]

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