Bürgerproteste
gegen Altarinsel, Stele und Übermalung des Kreuzwegs (2008-2010)
Im Zuge der Renovierung 2006–2010 war eine grundlegende Umgestaltung des Chorraums geplant. Vorgesehen waren eine Altarinsel in der Mitte der Kirche sowie eine vergoldete Stele aus Stahl, auf der die hölzerne und die steinerne Pietà präsentiert werden sollten. Der → Nazarener-Kreuzweg sollte übermalt und durch einen barocken Kreuzweg ersetzt werden. Laut vorliegender Quellen hatte der Pfarrgemeinderat dem Konzept offenbar vor der öffentlichen Präsentation des Stele-Modells zugestimmt.
Dies führte zu erheblichen Protesten innerhalb der Bevölkerung: Es folgte eine Unterschriftenaktion mit regem Zuspruch sowie die Gründung einer Intiativgruppe "Pro Ritterkapelle" um Heimatdichter Wilhelm Wolpert. Die Kontroverse sorgte überregional für Aufmerksamkeit. Darüber berichteten unter anderem der Bayerische Rundfunk. Im Haßfurter Tagblatt (später Teil der Main-Post) erschienen zeitweise täglich mehrere Leserbriefe zu diesem Thema. Schließlich erklärte die Redaktion, alle Argumente seien ausgetauscht; weitere Leserbriefe zur Neugestaltung der Ritterkapelle würden nicht mehr veröffentlicht.
Letztendlich wurde die Altarinsel mit der Stele verwirklicht. Der Nazarener-Kreuzweg blieb jedoch erhalten und wurde später restauriert.
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Chronik der Ereignisse
Die hier angegebenen Quellen verweisen zumeist auf Artikel im Archiv der Mainpost.
- 22.11.06 – "Haßfurter Ritterkapelle wird für 3,2 Millionen Euro restauriert"
Die Ritterkapelle soll für 3,2 Millionen Euro restauriert werden. Die Kosten tragen Land, Kirche, Stadt und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Der zukünftige Innenraum soll sich an der farblichen Gestaltung der Kirche im 17. Jahrhundert orientieren, mittelalterliche Wandgemälde werden freigelegt. [13]
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29.01.08 – "Schlag ins Gesicht"
Eine Leserbriefschreiberin nimmt im Haßfurter Tagblatt Stellung zu den bekanntgewordenen Umbauplänen (Altarinsel mit Stele). Sie kritisiert mit deutlichen Worten die Errichtung der Stele als modernes Kunstwerk, mit dem die Mehrheit der Gläubigen nichts anfangen könne. Die Stele versperre den Blick auf den Hochaltar und das farbige Kirchenfenster. Der Umbau dürfe nicht allein die Kunstauffassung eines Einzelnen widerspiegeln.
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02.02.08 – "Stele auf der Altarinsel - 'Auch wir waren entsetzt'"
In einem von drei Gymnasiallehrern gemeinsam verfassten Leserbrief im HT beklagen die Verfasser eine "Entstellung" des Haßfurter Wahrzeichens, das sie mit den großen englischen und französischen Kathedralen sowie mit dem Kölner und dem Regensburger Dom vergleichen. Der Pfarrgemeinderat solle erneut zusammenkommen. Ihnen sei die schwierige Situation der Mitglieder des Pfarrgemeinderats bewusst.
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"Streiflichter aus dem Alltagsleben"
Ein Kommentar im HT erörtert, was eine moderne Stele in einem der bedeutendsten spätgotischen Bauwerke Unterfrankens zu suchen hätte. "Wie ein Stachel steckt die Stele im Herzen des Haßfurter Wahrzeichens ..."
- 06.02.08 – "Zoff um Gestaltung der Ritterkapelle: 'Völlig unpassend'"
Domkapitular Dr. Lenssen plant die Errichtung einer Altarinsel inmitten der Ritterkapelle sowie einer Stele, die nach Ansicht von Kritikern den Blick auf den von Heideloff entworfenen Hochaltar einschränkt. Außerdem soll im gotischen Chor ein barocken Kreuzweg aufgehängt werden. Laut Artikel sind viele Haßfurter entsetzt. Gegen das Konzept richtet sich eine Unterschriftenaktion Wilhelm Wolperts, Godehard Maruschkes, Hubertus Wideras und Dr. Stephan Dillers. Der bekannte Heimatdichter Wolpert fragt, warum sich kurz vor der Kommunalwahl kein Stadtratskandidat des Themas annimmt. Laut Dr. Diller soll Dr. Lenssen geäußert haben, ohne sein Konzept gebe es keine Mittel der Diözese. Der Pfarrgemeinderat hat dem Konzept bereits zugestimmt. [14]
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07.02.08 – "Diskussion um Ritterkapelle geht weiter"
Laut Stadtpfarrer Reinhold Schmitt, Kaplan Andreas Hutzler, der Vorsitzenden des Pfarrgemeinderats Elisabeth Grasser und dem Mitglied der Kirchenverwaltung Herbert Leuner wird der Pfarrgemeinderat nicht gegen den Willen der Gemeinde abstimmen. Eine "Erpressung" durch Dr. Lenssen habe es nie gegeben. Der Artikel spricht von erheblichem Widerstand gegen die Umbaupläne. Mehr als 1000 Personen beteiligten sich bereits an der Unterschriftenaktion. Frau Grasser betont die Notwendigkeit des Umbaus, um die Vorgaben des 2. Vatikanischen Konzils zu befolgen. Der Nazarener-Kreuzweg sei nicht mehr vollständig erhalten. Er werde nicht zerstört, sondern übermalt. Der barocke Kreuzweg passe hervorragend in die Kirche. Die Enscheidung über den Umbau sei noch offen. [15]
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08.02.08 – "Mehr Verständnis für das Projekt"
Bürgermeister Rudi Eck verneint die Vorwürfe, Domkapitular Dr. Lenssen habe Druck auf die Kirchenverwaltung oder den Pfarrgemeinderat genommen. Er sei Zeuge der Vorstellung der Umbaupläne gewesen. Obwohl er die Vorwürfe zurückweist, fordert er eine Klärung der Behauptungen, Dr. Lenssen habe die Gremien erpresst. [17]
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08.02.08 – "Tief betroffen von den Angriffen"
Dr. Lenssen zeigt sich über die Vorwürfe sehr verwundert. Es habe bei der Präsentation seines Konzeptes mit Pfarrer, Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat gute Gespräche gegeben. Von Zuschüssen im Zusammenhang mit der Altarinsel sei dabei niemals die Rede gewesen. Er wolle den Charakter der Ritterkapelle als Wallfahrtskirche mehr betonen. Bereits zur Zeit Julius Echters habe sich ein Altar in der Mitte der Kirche befunden. Der Nazarener-Kreuzweg leide unter dem Verlust der umgebenden neugotischen Ausmalung. Er habe vorgeschlagen, ihn durch einen farblich passenden barocken Kreuzweg zu ersetzen. [18]
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10.02.08 – "2353 Unterschriften gegen Stele und barocken Kreuzweg"
Im Artikel wird angekündigt, dass die Initiatoren der Unterschriftenaktion die gesammelten 2353 Unterschriften am folgenden Mittwoch Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand persönlich überreichen wollen. [19]
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11.02.08 – "Erst mal Ruhe einkehren lassen"
Diakon Manfred Griebel bescheinigt beiden Seiten, das Beste für die Pfarrei zu wollen. Trotzdem kritisiert er die Unterschriftenaktion. Man solle jetzt erst einmal den neuen Gesprächstermin am 19. Februar abwarten und Ruhe einkehren lassen. [20]
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13.02.08 – "Diskussion über Stele wurde verschoben"
Domkapitular Lenssen wollte am 19. Februar der Pfarrversammlung ein neues Konzept zur Umgestaltung vorlegen. Eine von Bürgermeister Eck veranlasste Gesprächsrunde beschließt nun eine Verlegung dieses Termins. Währenddessen legt Wilhelm Wolpert mit einer Bürgervertretung die 2353 gesammelten Unterschriften gegen den geplanten Umbau dem Generalvikar Karl Hillenbrand vor. Dieser lobt die Unterschriftenaktion als Ausdruck eines großen Interesses der Gemeinde an ihrem Gotteshaus. Zugleich betont er, dass man Pfarrer Reinhold Schmitt († 22.01.2026) und die Kirchengremien, die sich für die Gemeinde einsetzen, mit einbinden müsse. Bischof Hoffmann werde eine ausgewogene Entscheidung treffen. [21]
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22.02.08 – "Leserforum: Wozu ein neues Modell?"
Eine Leserbriefschreiberin erinnert an die Übergabe von 2353 Unterschriften an den Vertreter des Bischofs. Die Unterzeichner wenden sich gegen die geplante Stele, den Mittelaltar und den barocken Kreuzweg. Die Autorin fragt, weshalb nun ein neues Modell der Stele angefertigt werde. Ihrer Ansicht nach wollten die Unterzeichner kein geändertes Modell, sondern überhaupt keine Stele und keine Altarinsel. Sie plädiert dafür, auf den Umbau zu verzichten und die dafür vorgesehenen Mittel stattdessen für die Restaurierung des Nazarener-Kreuzwegs einzusetzen. Abschließend weist sie darauf hin, dass viele Einheimische die Renovierung der Ritterkapelle persönlich finanziell unterstützt hätten. [22]
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07.04.08 – "Neue Stele ist noch hässlicher"
Neue Entscheidungen der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderats werden am 16. April erwartet. Ein neues Modell der Stele wurde aufgestellt, Besichtigungen sind vor der Entscheidung der Gremien nicht gestattet. Laut Stadtpfarrer Schmitt haben sich die Gremien bereits zu Änderungen des Innenraums entschlossen. So sollen die Bänke im Chor nach innen gedreht werden, um dort einen kleinen Andachtsraum entstehen zu lassen. Zum Konzept gehören außerdem eine Altarinsel sowie eine Stele für die beiden Gnadenbilder. Der Artikel erinnert daran, dass dieses Konzept zu einer Unterschriftenaktion gegen die Pläne führte, die inzwischen 2381 Unterschriften umfasst. Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat sprechen sich inzwischen für moderate Änderungen aus.: Eine niedrigere Stele und eine niedrigere Altarinsel. Pfarrer Schmitt sieht in den Planungen keinen Widerspruch zum Bürgerwillen. Er begründet dies damit, dass viele Unterzeichner nach seiner Auffassung nicht gewusst hätten, worum es gehe.
Laut Wilhelm Wolpert, einer der Initiatoren der Unterschriftenaktion, ist die neue Stele noch hässlicher als die alte. Die Gremien sollten nicht gegen die Mehrheit der Bevölkerung entscheiden. Auf Kritik, dass nicht nur Haßfurter Katholiken unterschrieben hätten, anwortet Wolpert, dass auch ehemalige Haßfurter und auch Haßfurter Protestanten das Recht haben, zu unterschreiben. [23]
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08.04.08 – "Leserforum: Es fehlt die sachliche Debatte"
Ein Leserbriefschreiber betont die Pressefreiheit und nennt den entsprechenden Artikel des Grundgesetzes. Dennoch kritisiert er einen "Drall" in der Berichterstattung. Er hält es für berechtigt, dass die kirchlichen Entscheidungsträger ihr Modell zunächst ohne Druck von außen ausarbeiten und es erst anschließend den Gläubigen vorstellen. [24]
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09.04.08 – "Gegner der Lenssen-Stele sind empört"
Laut Artikel herrscht in der Haßfurter Bevölkerung wieder große Aufregung: Ein neues Modell der Stele wurde kurzfristig in der Ritterkapelle Haßfurt aufgestellt und wird bereits vergoldet. Dies bedeutet nach Ansicht der Kritiker, dass vor der offiziellen Entscheidung der Gremien vollendete Tatsachen geschaffen werden. Pfarrer Schmitt erklärte , dass die Ritterkapelle eine Altarinsel mit Stele bekommen werde. Der Pfarrgemeinderat werde darüber am 16. April entgültig entscheiden.
Wolpert, Initiator der Unterschriftenaktion, spricht von einer Aufregung in Haßfurt wie nie zuvor: Die Bürger seien wütend, dass ihre Unterschriften nichts wert seien, andere seien empört über den Pfarrer, der die Unterzeichner ein "eigenartiges Gemisch" genannt habe. Laut Wolpert nehme die Kirche die Spenden dieses "eigenartigen Gemisches" gerne an. Wolpert gibt sich kämpferisch: „Wir werden auf jeden Fall all unsere Kraft dafür einsetzen, dass dieses Monstrum wieder verschwindet.“ Diese Stele in einer gotischen Kirche sei undenkbar, eine Diskussion erst nach der endgültigen Entscheidung der Gremien sinnlos. Bei der entscheidenden Sitzung von Pfarrgemeinderat und der Kirchenverwaltung am 16. April in der Ritterkapelle werde man vor der Tür stehen und seine Meinung zum Ausdrucke bringen.
Dr. Lenssen wiederum teilte mit, die Entscheidung über die Stele träfen alleine Pfarrer Schmitt und die Gremien. Falls die Stele nicht gewünscht sei, könne sie jederzeit an einem anderen Ort aufgestellt werden. Allerdings könne nicht immer alles beim Alten bleiben. Von den 2381 Unterschriften stammten nur 1200 aus der Pfarrei Haßfurt. Anschließend bedauerte Dr. Lenssen die Spaltung der Gemeinde, denn gerade jetzt sei ein Miteinander notwendig. [25]
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13.04.08 – "Andere warten schon auf die Lenssen-Stele"
Der folgende Eintrag beruht auf einer Zusammenfassung Wilhelm Wolperts über ein Gespräch der Initiativgruppe „Gegen die Teilung der Ritterkapelle“ mit Kirchenverwaltung und Dr. Lenssen.
Laut Dr. Lenssen kam der Wunsch nach Altarinsel, Stele und neuem Kreuzweg ausschließlich aus Haßfurt. Lenssen selbst habe nur Vorschläge unterbreitet. Wie Dr. Lenssen weiter ausführt, sei die Stele lediglich ein Modell und könne jederzeit an einem anderen Ort aufgestellt werden, wo man bereits darauf warte.
Nach Auffassung der Initiativgruppe verkleinere die Altarinsel die Ritterkapelle. Für die Besucher sei der Blick auf die erhabene Größe des gotischen Raumes und auf den Hochaltar eingeschränkt. Weiter bestehe keine Veranlassung, den schönen Nazarener-Kreuzweg zu übertünchen und stattdessen einen barocken Kreuzweg aufzuhängen.
Auch ein Mitglied der Kirchenverwaltung schloss sich dieser Auffassung an. [26] -
17.04.08 – "Entscheidung ist gefallen: Die Stele bleibt"
Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung stimmen in geheimer Sitzung für den Mittelaltar mit Stele und für die Übermalung des Nazarener-Kreuzwegs.
Auf der anschließenden Pressekonferenz äußern sich Stadtpfarrer Schmitt, Kaplan Hutzler, Diakon Griebel und Gemeinderatsvorsitzende Grasser. Sie folgen der Argumentation Dr. Lenssens und der Kunstkommission der Diözese, die die Notwendigkeit eines Mittelaltars als Mittelpunkt der Gemeinde betonten. Zudem sei die Ritterkapelle kein rein gotisches Gebäude; das Langhaus sei im Renaissancestil erbaut worden.
Annette Faber vom Landesamt für Denkmalpflege zufolge nehme das Amt keinerlei Einfluss auf die liturgische Gestaltung. Der Nazarener-Kreuzweg sei ehemals von einer spätgotischen Ausmalung eingerahmt gewesen. Eine Restauration sei als nicht sinnvoll erachtet worden.
Laut Elisabeth Grasser habe die Initiativgruppe "Gegen die Stele" sowohl ihre als auch Pfarrer Schmitts Zusage erhalten, keine Entscheidung vor einer öffentlichen Versammlung zu treffen. Die Gremien seien jedoch zu einer anderen Entscheidung gelangt. Ab sofort sei die Ritterkapelle wieder geöffnet. Am 24.4. soll das Konzept der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Sie hoffe, dass die Gemeinde die Vorschläge akzeptiert. [27]
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22.04.08 – "Stele-Streit: Der Bischof als letzter Strohhalm"
Wilhelm Wolpert, Sprecher der Initiativgruppe "Für die Ritterkapelle, gegen die Stele", kündigt für den 24. April eine Versammlung mit anschließender Diskussion in der Ritterkapelle an. Er lädt alle Unterzeichner seiner Unterschriftenaktion ein. Nach seinen Angaben ist im Streit um die Umgestaltung letztlich der Würzburger Bischof Friedhelm Hoffmann die letzte Instanz. [28]
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28.04.08 – "Buh-Rufe gegen den Pfarrer"
Am 24. April fand in der Ritterkapelle vor etwa 200 Besuchern eine Versammlung mit Diskussion über den Umbau der Ritterkapelle statt. Die Argumente der Befürworter des Umbaus, Stadtpfarrer Schmitt und Domkapitular Dr. Lenssen, wurden von Beginn an mit Gelächter, Empörung und lauten Buh-Rufen unterbrochen. Zwischenrufe wie "Wir haben kein Vertrauen mehr zu den Kirchengremien" machten eine Diskussion unmöglich.
Wilhelm Wolpert führte unter "frenetischem Jubel" aus, dass sich Tausende hintergangen fühlten. Er bestand darauf, die Ritterkapelle in ihrem ursprünglichen Zustand zu belassen. Reden von Stadtpfarrer Schmitt, der einen Brief von Bischof Hoffmann vorlas, und von Dr. Lenssen, der die Entscheidungsmacht der Haßfurter Gremien betonte, waren vergeblich. Bürgermeister Rudi Eck, der sich schützend vor Schmitt und Lenssen stellte, wurde ebenso mit Pfiffen und gehässigen Kommentaren bedacht.
Laut Initiativgruppe sei das Schlimmste an der Sache, dass die Gremien vor ihrer Entscheidung die Gemeindemitglieder nicht mehr gehört haben, obwohl Pfarrer und Gemeinderatsvorsitzende genau das versprochen hätten.
Nach Auffassung des Artikelautors sind die Würfel gefallen, die Stele wird bleiben, auch wenn die Menge noch so tobt. Er äußert die Hoffnung, dass sich alles wieder beruhigt, auch wenn bereits mehrere Gemeindemitglieder aus der Kirche ausgetreten seien. [29]
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01.05.08 – "Leserforum: Entsetzt über den Eklat in der Kirche"
Eine Leserbriefschreiberin findet die Stele schön. Sie widerspricht der Aussage, die meisten Katholiken hätten sich gegen die Stele ausgesprochen, und argumentiert, die Anzahl der Unterschriften gegen Stele und Altarinsel würden nur 47% der Katholiken ausmachen. Sie äußert Entsetzen über das Betragen der "Lektoren, Kommunionhelfer oder sogar Wortgottesdienstleiter". Sie vergleicht diese Personen mit dem zwölften Apostel. [Anm.: Gemeint ist Judas]. Sie schäme sich für die ihrer Ansicht nach negative Werbung für die Stadt Haßfurt. Diese Gruppe vertreibe Pfarrer Schmitt aus Haßfurt. Sie fordert die Unterzeichner auf, sich bei der nächsten Wahl für die Kirchengremien zur Wahl zu stellen. Am Ende bezeichnet sie diese Aktion [Anm.: gemeint sind die Unmutsäußerungen am 24.4. in der Ritterkapelle] als typisch für Haßfurt. [30]
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13.05.08 – "Ritterkapelle: Lange keine Wallfahrtskirche mehr"
Dr. Stephan Diller und Wolfgang Jäger vom Historischen Verein Landkreis Haßberge wenden sich gegen die geplante Altarinsel mit Stele sowie gegen die Übermalung des Nazarener-Kreuzwegs. Sie argumentieren mit der Haßfurter Stadtordnung von 1630 und der Internationalen Charta über die Konservierung und Restaurierung von Denkmälern vom 31. Mai 1964.
Sie zitieren aus der Stadtordnung 1630:
Es haben die Alten viel davon gesagt, wie vor Zeiten ein weltberümbte, ansehenliche Wallfahrtsbesuchung in dieser Marienkapelle gewesen sein soll.
Daraus schließen sie, dass eine Wallfahrt bereits 1630 nur noch den Alten bekannt war. Schon Julius Echter habe bei seiner Renovierung 1603/04 den Gnadenaltar als Ziel der Wallfahrt aus der Mitte des Langhauses an der Rand versetzen lassen. Die heutigen Restauratoren müssten dies konsequenterweise berücksichtigen, wenn sie im Langhaus das Aussehen nach der Echterschen Renovierung herbeiführen wollen.
Anschließend zitieren sie aus der Internationalen Charta über die Konservierung und Restaurierung von Denkmälern vom 31. Mai 1964:
Die Restaurierung ist eine Maßnahme, die Ausnahmecharakter behalten sollte. Ihr Ziel ist es, die ästhetischen und historischen Werte des Denkmals zu bewahren und zu erschließen. Sie gründet sich auf die Respektierung des überlieferten Bestandes und auf authentische Dokumente. Sie findet dort ihre Grenze, wo die Hypothese beginnt. ... Zu einer Restaurierung gehören vorbereitende und begleitende archäologische, kunst- und geschichtswissenschaftliche Untersuchungen.
Laut Diller und Jäger müssen als Hypothesen die Interpretation der Ritterkapelle als Wallfahrtskirche sowie die historische Begründung für den Mittelaltar angesehen werden. Die in der Charta geforderten archäologischen, kunst- und geschichtswissenschaftlichen Untersuchungen wurden durch das Landesamt für Denkmalpflege und von der Pfarrei "endgültig und definitiv" abgelehnt.
Gegen die Ersetzung des Nazarener-Kreuzwegs durch einen barocken Kreuzwegs zitieren Diller und Jäger Artikel 12 der Charta:
Die Elemente, welche fehlende Teile ersetzen sollen, müssen sich dem Ganzen harmonisch einfügen und vom Originalbestand unterscheidbar sein, damit die Restaurierung den Wert des Denkmals als Kunst und Geschichtsdokument nicht verfälscht.
Weitere Gründe gegen den Bau der Altarinsel mit Stele finden sich nach Ansicht von Diller und Jäger in der "Instruktion der Ritenkongregation zur ordnungsgemäßen Durchführung der Konstitution über die Heilige Liturgie vom 26. September 1964" sowie "in den Leitlinien für den Bau und die Ausgestaltung von gottesdienstlichen Räumen der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz vom 25. Oktober 1988".
Zuletzt weist der Artikel noch auf eine Fernsehsendung des Senders TV Touring am 15. April hin, bei der beide Seiten noch einmal zu Wort kommen sollen. [31]
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08.06.08 – "Ja zum Mittelaltar, Nein zur Stele"
Bei einer weiteren Sitzung des Pfarrgemeinderats erläuterte Wilhelm Wolpert erneut die Ziele der Initiativgruppe "Pro Ritterkapelle". Die Gruppe sei bereit, den neuen Mittelaltar zu akzeptieren. Die goldene Stele für die Gnadenbilder lehne man weiterhin ab, denn sie passe nicht in eine gotische Kirche.
Laut Wolpert müsse auch der Nazarener-Kreuzweg erhalten werden. Der barocke Kreuzweg, den die Obervolkacher nicht mehr in ihrer gotischen Kirche sehen wollten, solle nicht in Haßfurt aufgehängt werden, nur weil der bestehende Kreuzweg saniert werden müsse.
Wolpert ist sich sicher, dass die Pfarrgemeinderäte sich seiner Argumentation anschließen werden. [32]
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23.06.08 – "Für Stele, gegen Kreuzweg"
Der Pfarrgemeinderat und die Kirchenverwaltung sprechen sich nach erneuter Abstimmung für die Altarinsel mit Stele, aber auch – unter finanziellem Vorbehalt – für die Beibehaltung des Nazarener-Kreuzwegs und gegen den barocken Kreuzweg aus. Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Elisabeth Grasser führt aus, mit der Altarinsel werden die Anforderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils erfüllt. Unabhängig davon solle der Kreuzweg erhalten werden. Frau Grasser hofft, mit dieser Entscheidung die Gemüter zu beruhigen. [33]
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01.07.08 – "Zoff um Ritterkapelle geht weiter: An Glaubwürdigkeit und Vertrauen verloren"
Wilhelm Wolpert äußert in einer Pressemitteilung der Gruppe "Pro Ritterkapelle" Kritik insbesondere an den Verantwortlichen im Bischöflichen Ordinariat in Würzburg.
Wolpert äußert seine Freude über die Rettung des Nazarener-Kreuzwegs, wendet sich aber entschieden gegen die goldene Stele. Er stellt die Frage, ob der Kampf um die Stele verloren ist. Verloren gegangen sei das Vertrauen in den Stadtpfarrer, die Glaubwürdigkeit der Pfarrgremien und der Verantwortlichen im Bischöflichen Ordinariat in Würzburg. Verloren sei auch das Vertrauen in den Bischof, der sich einseitig informiert hat und nichts ändern will.
Die Initiativgruppe "Pro Ritterkapelle" will auch weiterhin Ansprechpartner der Haßfurter Bürger sein. [34]
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06.03.09 – "Mariensäule 'nicht vermittelbar'"
In einer erneuten Pressemitteilung der Initiativgruppe "Pro Ritterkapelle" bezeichnet Wilhelm Wolpert die goldene Stele, die mittlerweile "Mariensäule" genannt wird, als "weiterhin nicht vermittelbar". Der Streit sei keinesfalls beigelegt, auch wenn man in den vergangenen Monaten einen anderen Eindruck gewinnen konnte.
Wolpert sieht die Initiativgruppe als Vertreterin der Mehrheit der Bürger und verweist dabei auf die 2500 Unterschriften gegen den Umbau. Die Initiativgruppe werde erneut auf die Kirchengremien und den neu ernannten Pfarrer Stephan Eschenbacher zugehen.
Wolpert begrüßt die Zusage des ehemaligen Pfarrers Reinhold Schmitt zur Erhaltung des Nazarener-Kreuzwegs. Die Mehrheit lehne die Stele jedoch weiterhin ab.
Wolpert weist auf eine Aussage Lenssens zum Abriss einer "Betonkirche" in Waigolshausen hin, die auch den Haßfurtern von Nutzen sein könnte: Man könne das einer Gemeinde nicht aufzwingen, sie müsse die Maßnahmen mittragen. Laut Wolpert könne diese Einsicht Lenssens den Haßfurtern bezüglich einer Problemlösung noch zu Gute kommen. [35]
[Anmerkung: Der denkmalgeschützte frühgotische Kirchturm der ehem. Pfarrkirche in Waigolshausen (Landkreis Schweinfurt) blieb erhalten, das moderne Langhaus (1961) wurde 2013 abgerissen]
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- Wird fortgesetzt ...
