Grumbach
Wappen und Geschichte
Die Herren von Grumbach gehörten dem fränkischen Uradel an und galten zeitweise als das reichste Geschlecht in Franken. Sie entstammten einer Linie des Geschlechts Wolfskeel (auch Wolffskeel), deren Stammsitz Schloss Burggrumbach bei Würzburg war. Nicht zu verwechseln sind sie mit den Edelfreien von Grumbach, die bereits 1243 im Mannesstamm erloschen. Dem Geschlecht entstammten zwei Würzburger Fürstbischöfe.
Wappen
Blasonierung
Heraldische Beschreibung nach Heideloff:
Ein schwarzgekleideter, in der ausgestreckten Rechten drei rothe Blumen haltender Moor in goldenem Felde. Helmzier: zwei mit den Sachsen nach vorn gekehrte, von Schwarz und Gold schräg getheilte Adlerflüge. Decken schwarz und golden. [45, S. 8]
In der Heraldik sind Sachsen Flügelknochen, ein Adlerflug ist ein einzelner Flügel. Eine moderne Beschreibung lautet:
In Gold ein schwarzer Mohr, der in seiner ausgestreckten rechten Hand drei rote Blumen hält, die Linke eingestemmt; die Helmzier wäre auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein schwarz-silbern geteilter Flügel. [61]
Wappen der Grumbach und Wolfskehl
1492 erwirkten die übrigen Linien der Wolfskeel von König Maximilian I. eine Trennung der Wappen von der Grumbach-Linie. Seitdem schreitet der Mohr der Grumbach nach links, der der Wolfskeel nach rechts (heraldisch immer aus Richtung des Schildhalters betrachtet). Viele Blasonierungen lassen die Richtung daher unbestimmt.
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Wie aus den Abbildungen von Siebmacher hervorgeht, scheint sich auch die Helmzier von schwarz-silbernen Flügeln bei Wolfskeel zu schwarz-goldenen Flügeln bei Grumbach geändert zu haben.
Das Grumbach-Wappen am Fries der Ritterkapelle
Das Grumbach-Wappen befindet sich im ersten Abschnitt des Wappenfrieses, in der dritten Reihe rechts. Als Abschnitt wird dabei jeweils der zwischen zwei Strebepfeilern liegende Teil des Frieses bezeichnet. Die Abschnitte werden im Gegenuhrzeigersinn gezählt, beginnend mit dem westlichen Abschnitt der Südseite.
Detailaufnahme des Grumbach-Wappens am Fries der Ritterkapelle auf
ars-heraldica.de
Aufnahme des 1. Abschnitts des Wappenfrieses mit dem Grumbach-Wappen
ars-heraldica.de
Auf dem von einem Engel getragenen Wappen ist auf goldenem Grund ein schwarz gekleideter, nach heraldisch rechts schreitender Mann mit weißem Gesicht, hellem Haar oder heller Kopfbedeckung und weißen Händen zu sehen. In der einen Hand trägt er drei rote oder goldene Blumen an grünen Stielen, die andere Hand ist in die Hüfte gestemmt.
Zunächst ist festzustellen, dass das Wappen vermutlich bereits 1465 bei der Fertigstellung der Ritterkapelle vorhanden war, wenn auch vielleicht in anderer Form. Da die Linien Wolfskeel und Grumbach erst 1492 heraldisch getrennt wurden (s.o.), handelt es sich hier also um das gemeinsame Wolfskeel/Grumbach-Wappen. Dieses spezielle Wolfskeel/Grumbach-Wappen der Ritterkapelle stellt keinen Mohren dar, wie in den Blasonierungen festgelegt, sondern einen Weißen. „Die grünen Stiele finden sich auch in einigen Blasonierungen, sodass das Ritterkapellen-Wappen zumindest in diesem Detail der heraldischen Überlieferung entspricht.“
Es gibt eine historisch dokumentierte Abweichung im Wappen der Wolfskeel/Grumbach, in der statt des Mohren ein weißer Mann dargestellt wird:
In einem Stammbuch von Cajetanus von Wolfskeel, München, 4. Okt. 1619, habe Siebmacher das Wappen mit der Bemerkung gefunden, dass die Schildfigur „kein Mohr, sondern als ein Weisser“ erscheine – und zwar in einem gezackten, anliegenden, goldverbrämten Kleid. [63]
Die 1868 postum erschienenen Skizzen des Wolfskeel/Grumbach-Wappens von Heideloff und die Skizze eines unbekannten Künstler von 1835 zeigen übereinstimmend einen gleichmäßig grau gezeichneten Mohr, bei Heideloff bekleidet, in der Darstellung des unbekannten Künstlers unbekleidet oder mit Lendenschutz. Aus diesen Zeichnungen lässt sich nicht schließen, ob der Mohr zu dieser Zeit als Weißer dargestellt war oder nicht.
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Zusammenfassend lässt sich feststellen: Der Mann im Wolfskeel/Grumbach-Wappen der Ritterkapelle Haßfurt ist – abweichend von den meisten anderen Wappen dieses Geschlechts – kein Mohr, sondern ein Weißer. Es ist unklar, ob es sich um eine spätere Farbänderung handelt oder um eine Ausnahme wie beim Wappen des Cajetanus (s.o.).
Das Wappen des Würzburger Fürstbischofs Johanns III. von Grumbach am Gewölbeschlussstein
Das Wappen zeigt die im Fürstbistum Würzburg übliche Vierung: Heraldisch rechts oben befindet sich der Fränkische Rechen für das Herzogtum Franken, links unten das Rennfähnlein in Rot und Silber für das Bistum Würzburg. Die beiden übrigen Felder zeigen das jeweilige Familienwappen, hier also das Wolfskeel/Grumbachsche Wappen. Die Helmzier besteht aus zwei roten, gebogenen Hörnern, aus denen jeweils Rennfähnlein in Rot und Silber erwachsen. Die Helmdecken sind rot und silbern. Im Wikipedia-Artikel [63] wird als Helmzier ein geschlossener Flug in Schwarz und Gold angegeben, was möglicherweise auf einer Verwechslung mit dem Familienwappen beruht.
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Das Wappen war auch Grund für die Kontroverse zwischen dem Königlichen Conservator Carl Alexander von Heideloff und dem Würzburger Domvikar Nikolaus Reininger. Während Heideloff das Wappen Wolfram Wolfskeel von Grumbach († 6. Juli 1333) zuordnete, vertrat Reininger die heute allgemein anerkannte These, das Wappen gehöre zu Johann III. von Grumbach († 11. April 1466).
Deutung desWappens [62]
Laut Familientradition handelt es sich bei dem Mohren im Wappen um den hl. Mauritius. Ein wichtiges Ereignis in der Familiengeschichte war die Teilnahme eines Wolfskeel 930 an einem Turnier in Magdeburg, das damals den hl. Mauritius als Schutzpatron hatte. Nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955 kam es zu einer Aufwertung Magdeburgs durch Otto I. und somit zu einer Stärkung der Mauritiusverehrung. Die Erinnerung an diese Ereignisse könnte zur erste Darstellung des Mauritius im Wappen der Wolfskeel am Grab des Würzburger Fürstbischofs Wolfram Wolfskeel von Grumbach († 1333) geführt haben.
Die drei Rosen in der Hand des Mohren könnten auf den Märtyrertod des hl. Mauritius hinweisen, nach einer anderen Deutung sind sie ein Symbol für die hl. Dreifaltigkeit.
Geschichte
Ursprung [70]
Die ursprünglichen Edelfreien von Grumbach mit Stammsitz Burggrumbach bei Würzburg starben 1243 im Mannesstamm aus. Eine ursprünglich dem niederen Adel angehörige Linie der Familie Wolfskeel wurde zu Dienstmannen des Würzburger Hochstifts und erlangte im Laufe der Jahre Besitz und Ansehen. Ihr Stammsitz wurde Schloss Burggrumbach, dessen Namen sie annahmen. Stammvater soll der 1258 genannte Berthold von Grumbach gewesen sein. Später erwarb die Familie Grumbach u.a. Schloss Grumbach, Stammsitz der Rimparer Linie, und stellte zwei Würzburger Fürstbischöfe. Stammvater der Rimparer Linie war der 1347 genannte Hans der Ältere von Grumbach.
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Wolfram Wolfskeel von Grumbach [69]
Wolfram Wolfskeel von Grumbach († 6. Juli 1333) wurde am 16. November 1322 zum Bischof von Würzburg gewählt. Sein Vater war Wolfelin Wolfskeel von Grumbach, seine Mutter war eine geborene von Scherenberg. 1290 wurde er ins Würzburger Domkapitel aufgenommen. 1299 wurde er Stellvertreter des Bischofs, 1309 Dompropst.
Als Bischof unterstützte Wolfram zunächst Papst Johannes XXII. gegen König Ludwig den Bayern. Später söhnte er sich mit Ludwig aus, blieb aber weiterhin dem Papst verbunden. 1323-1324 belagerte er die → Stammburg der Rotenhan und zerstörte die Festung.
Wolfram Wolfskeel von Grumbach musste in seiner Regierungszeit gegen zunehmenden Druck der nach mehr Unabhängigkeit strebenden Würzburger Bürgern ankämpfen. Nach dem gewaltsamen Eindringen aufständischer Bürger in den Dom im Jahre 1323 wurden die Anführer zu vorläufiger Verbannung in Karlstadt verurteilt.
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An Wolframs Grabmal im Würzburger Dom ist erstmals der Fränkische Rechen als Zeichen des Herzogtums Franken zu sehen. Es befindet sich heraldisch rechts oben. Die weiteren Wappen zeigen das Würzburger Rennfähnlein für das Bistum Würzburg, den schreitenden, drei Blumen tragenden Mohr der Familie Grumbach und die Schere der mütterlichen Familie von Scherenberg.
Johann III. von Grumbach [68]
Johann III. von Grumbach († 1466) entstammte – wie Wolfram Wolfskeel von Grumbach und nachfolgend Wilhelm von Grumbach – der späteren Rimparer Linie der Grumbach. Im Jahre 1408 wurde er Domherr, 1432 Propst in Würzburg. 1456 empfing er die Bischofsweihe. Johann III. suchte seinen Vorteil in zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen sowie in Fehden gegen fränkische Adelsgeschlechter. In seinen letzten Lebensjahren kam es zu zunehmenden Streitigkeiten mit dem Hochstift Bamberg.
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Als Zeichen seiner Politik ließ er von 1455 bis 1460 das fränkische Herzogsschwert mit seinem Wappen als Zeremonialschwert schmieden. Das bis heute erhaltene Schwert befindet sich seit der Eingliederung des Fürstbistums in Bayern im Jahre 1803 in der Schatzkammer der Münchner Residenz. Es gibt Forderungen nach einer Rückgabe des Schwertes nach Franken.
Wilhelm von Grumbach [64]
Die Biografie des fränkischen Reichsritters Wilhelm von Grumbach (1503-1567) dürfte wohl die interessanteste dieses Geschlechts sein. Er gehörte zu den reichsten Vasallen des Hochstifts Würzburg. Schloss Rimpar und zahlreiche Güter zwischen Würzburg und Schweinfurt waren in seinem Besitz.
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Sein Streit mit dem Würzburger Bischof Melchior Zobel führte zu den sogenannten Grumbachschen Händel, die die Ermordung des Bischofs, einen Ritteraufstand im gesamten Reich und schließlich die Hinrichtung Wilhelms von Grumbach zur Folge hatten.
Wilhelm von Grumbach und die Grumbachschen Händel →
1540 verhinderte Wilhelm von Grumbach durch seinen Einfluss die Wahl seines Rivalen Melchior Zobel zum Würzburger Fürstbischof. Vier Jahre später konnte er die Wahl Zobels nicht mehr verhindern. Allerdings erhielt er das Versprechen Zobels, seine Vereinbarungen mit dem verstorbenen Fürstbischof einzuhalten. Kurze Zeit später brach Zobel sein Versprechen und forderte eine Schenkung von 10.000 Gulden, was eine heutige Kaufkraft von etlichen Millionen Euro entspricht, an Wilhelm von Grumbach erfolgreich zurück.
Später trat Wilhelm von Grumbach in die Dienste des kriegerischen Markgrafen Albrecht II. Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach. Dieser begann den Zweiten Markgrafenkrieg und überfiel die Bistümer Bamberg und Würzburg. Wilhelm von Grumbach vermittelte erfolgreich zwischen Zobel und Albrecht. Es folgten verwirrende Entschlüsse Kaiser Karl V., der den Vertrag zwischen Zobel und Albrecht zunächst widerrief, später aber bestätigte. Dadurch wurde auch die Vermittlungsgebühr von Zobel an Wilhelm von Grumbach, die aus dem Kloster Maidbronn und sechs Dörfern bestand, Ursache weiterer Streitigkeiten. 1556 konnte Zobel die Grumbachschen Würzburger Güter beschlagnahmen. Zobel klagte vor dem Reichskammergericht auf Herausgabe und erhielt Recht. Zobel weigerte sich jedoch, die Güter herauszugeben. Das veranlasste Wilhelm von Grumbach, sich auf das eigentlich 1495 abgeschaffte Fehderecht zu berufen.
Am 15. April 1558 lauerten als Kaufleute verkleidete Diener Wilhelms von Grumbach den Bischof auf der Mainbrücke auf und erschossen ihn und seine zwei Begleiter. Der Anführer der Mörder wurde später gefasst. Er gestand und erhängte sich.
Das Ende der Familie von Grumbach
Wenige Generationen nach dem furchtbaren Ende Wilhelms von Grumbach starb das gesamte Geschlecht im Mannesstamme aus: 1603 in Rimpar, 1612 in Burggrumbach und 1682 in Estenfeld. Der Besitz der Enkel Wilhelms von Grumbach, Wolf und Wilhelm, ging 1603 an den Würzburger Fürstbischof. Die ursprüngliche Linie der Grafen Wolffskeel von Reichenberg existiert noch heute. [67]
